Presseartikel: 05.02.2009 - Landeszeitung: Ausbau nur für Hobbyflieger

"Ausbau nur für Hobbyflieger"

Verein macht Front gegen Pläne für Flugplatz und kritisiert "vorgeschobene Argumente"

 

as Lüneburg. Dieter Lange und Klaus Freytag brummt der Kopf, sie kochen gar vor Wut, wenn sie über Planungen für den Lüneburger Flugplatz nachdenken. "Sollten die Forderungen des Luftsportvereins nach mehr Starts und Landungen durchgesetzt werden, könnten Flieger alle vier Minuten über die Stadtteile Neu-Hagen, Hagen, Schäferfeld und Kaltenmoor hinwegziehen", hat Lange hochgerechnet. Das sei "eine katastrophale Lärmbelästigung für die Bürger."

Besonders dreist sei, dass die Stadt nun den Ausbau der Landepiste plane mit dem vorgeschobenen Argument, "dass nur so das Feuerwehrflugzeug rund ums Jahr abheben kann. Dabei geht es nur darum, die Landepiste für Hobbyflieger zu verbessern", ergänzt Freytag. Die beiden haben mit anderen Bürgern, darunter Dr. Heino Rüschenschmidt, den Verein "Bürgerinitiative Lüneburg gegen Fluglärm" gegründet. Das Ziel: Ausbau und Ausweitung des Flugbetriebs am Lüneburger Flugplatz verhindern, skizziert Vereinsvorsitzender Lange.

Bereits 1997 hatte das Thema die Wellen hochschlagen lassen, als die Zahl der bis dahin 15 Starts pro Tag angehoben werden sollte. Bürger gingen auf die Barrikaden, aber auch Grüne und Christdemokraten sprachen sich dagegen aus. Doch am Ende stimmte eine breite Mehrheit aus SPD und CDU zu, dass werktags 40 Flieger abheben durften, sonnabends 25 und sonntags 20. "Es war ein Kompromiss, den wir zähneknirschend hingenommen haben", meint Freytag. Allerdings fühlt er sich wie andere im Nachhinein auch verschaukelt. "Damals hieß es, das diene zur Stärkung des Wirtschaftsstandortes Lüneburg, aber es geht doch nur um die Hobbyflieger. Der Beleg dafür: Unter der Woche ist kaum Flugbetrieb, aber am Wochenende brummt's."

Diesmal heiße es wachsam sein, meint Dr. Rüschenschmidt mit Blick auf ein Arbeitspapier des Lüneburger Luftsportvereins (LVL), das dieser der Stadt im vergangenen Frühjahr geschickt hat. Darin heißt es, dass auch beim LVL die allgemeine Teuerung zu spüren sei, der LVL sehe sich gezwungen, eine Erhöhung der Mitgliederzahlen anzustreben. Das sei jedoch bei den heute gültigen Startbeschränkungen nicht möglich, und an den Wochenende müssten sich Lüneburger Piloten das Startkontingent auch noch mit fremden Piloten teilen. Der LVL plädiert dafür, dass künftig täglich maximal 90 Motorflugzeuge statt bisher 40 starten können. LVL-Vorsitzender Dr. Armin Röckseisen sagte gestern zur LZ: "Das ist das, was laut einem früheren Lärmgutachten auch schon 1997 möglich gewesen wäre." Er macht auch deutlich, dass "der Flugplatz eine öffentliche Verkehrseinrichtung ist, die vom Verein ohne öffentliche Mittel betrieben wird. Dafür erwarten wir auch, dass wir fliegen dürfen. Wir befinden uns aber auch im Einklang mit der Stadt, dass das Feuerwehrflugzeug jederzeit starten können muss."

Im September 2008 hatte Oberbürgermeister Ulrich Mädge im Rat erläutert, dass die Stahlmatten unter der jetzigen Graspiste marode seien, die Drainage auf der Ostseite kaputt. Eine Asphaltpiste müsste her, damit das Feuerwehrflugzeug rund ums Jahr - auch zum Katastrophenschutz - aufsteigen könne. Die BI sieht darin wieder "ein vorgeschobenes Argument, um eine Akzeptanz beim Bürger zu schaffen". Das Feuerwehrflugzeug könne auch von Uelzen aufsteigen. Für den Katastrophenschutz würden vorrangig Hubschrauber eingesetzt, führt Freytag ins Feld.

 

Erscheinungsdatum: 05.02.2009

Mit freundlicher Genehmigung der Landeszeitung Lüneburg.