Presseartikel: 16.09.2002 - Landeszeitung: Cessna fällt vom Himmel

Cessna fällt vom Himmel

Motorschaden beim Landeanflug - Erfahrener Pilot bewahrt Ruhe und hat Glück


ca Lüneburg. Das Flugzeug liegt vor dem Reha-Zentrum an der Stadtkoppel, Cockpit und Rumpf sind zerknautscht. Der Pilot (54) und seine Ehefrau (55) aus dem belgischen Grimbergen haben Glück im Unglück, sie können nach dem Absturz aus ihrer Cessna 150 klettern, tragen einen Schock und ein paar Schürfwunden davon, bleiben aber sonst wie durch ein Wunder unverletzt. Ihren Fliegerfreunden vom Lüneburger Luftsportverein ist die Erleichterung an der Unglücksstelle deutlich anzusehen.

Sonnabend zwischen 18.35 und 18.40 Uhr: Insgesamt vier Motorflugzeuge befinden sich im Landeanflug auf den Flugplatz. Das belgische Ehepaar und die Lüneburger kommen von einem Ausflug über Bleckede, Hamburg und die Heide zurück. Mit von der Partie ist auch Thomas Brauer, der hinter der Unglücksmaschine fliegt.

"Plötzlich sackte die Cessna ab, wahrscheinlich wegen eines Motorschadens. Ich hab' noch gedacht, hoffentlich fängt sie nicht an zu brennen. Ein, zwei Sekunden später sah ich sie dann unten", schildert er das dramatische Geschehen. "Der Pilot hat gesehen, dass er es nicht über den Wall zum Flugplatz schafft. Er wollte niemanden gefährden, ist deshalb auf die Stadtkoppel abgeschwenkt." Vermutlich mit Tempo 100 bis 120 saust die Maschine gegen einen Laternenmast, das nimmt ihr Schwung. Sie rutscht weiter und bleibt vor dem Geschäftshaus liegen.

Während des Landens funkt Brauer den Tower an, gibt die Lage durch: "Sofort 112 anrufen!" Die Leitstelle alarmiert Feuerwehr und Rettungsdienst. Brauer springt aus seinem Flugzeug, läuft zum Auto vom Vereinsvorsitzenden Gregor Szielasko, der zuvor gelandet war. Die beiden Männer preschen zur Absturzstelle - und atmen auf, als sie den Piloten und seine Frau nahezu unverletzt auf der Straße stehen sehen. Brauer rennt zur Maschine, dreht den Benzinhahn zu und die Zündung aus.

Zugute sei den Insassen gekommen, dass die zweisitzige Cessna, Version Aerobat, kunstflugtauglich und damit wesentlich stabiler in der Bauweise sei als eine normale Cessna, so Brauer.

Die Polizei geht von einem Motorschaden als Ursache für das Unglück aus. Es gebe keine Hinweise auf eine Manipulation am Flugzeug oder ein Verschulden des Piloten. "Das Bundesluftfahrtamt will sich nicht in die Ermittlungen einschalten, deshalb ist die Maschine freigegeben", sagt ein Beamter.

"Der Pilot ist ein erfahrener Mann", erzählt ein aufgewühlter Belgier, der zu der Besuchsgruppe aus Grimbergen bei Brüssel zählt. Der Pilot habe mehrere Jahrzehnte Flugerfahrung und mindestens 2000 Flugstunden absolviert.

 

Erscheinungsdatum: 16.09.2002

Mit freundlicher Genehmigung der Landeszeitung Lüneburg.