Presseartikel: 20.06.2008 - Landeszeitung: Mehr Flieger sollen starten können

Mehr Flieger sollen starten können

Grüne kritisieren Vereins-Wunsch

 

as Lüneburg. Turbulenzen brauen sich am Lüneburger Flugplatz zusammen. Der Luftsportverein Lüneburg (LVL) möchte die Anzahl der Starts und Landungen erhöhen. Täglich sollen maximal 90 statt wie bisher 40 Motorflugzeuge starten können. Die bisherigen Beschränkungen - am Sonnabend 25, am Sonntag 20 Starts - sollen nur für Flugzeuge ohne erhöhten Lärmschutz gelten. Das bestätigte Dr. Armin Röckseisen, Vorsitzender des LVL, auf LZ-Anfrage. "Wir haben ein entsprechendes Arbeitspapier an die Stadt geschickt."

Empört darüber ist Ulrich Blanck. Der grüne Ratsherr hatte so etwas schon vermutet. In der kommenden Ratssitzung am Donnerstag, 26. Juni, soll seine Anfrage behandelt werden, ob denn der Flughafen womöglich aus- oder neu gebaut werden solle. Im Vorfeld der Sitzung hieß es seitens der Stadt, dass nur die Landepiste verbessert werden solle. "Die Lärmbelästigung würde sich dadurch eher reduzieren, weil die Maschinen früher abheben können, damit schneller außer Hörweite sind", hatte dazu Dr. Röckseisen erklärt.

Doch nun soll es mehr Starts geben. "Und das verursacht mehr Lärm, ein Stressfaktor, der den Anwohnern nicht zuzumuten ist", sagt Blanck. Die Grünen winken bei dem Wunsch des LVL ab. "Wir werden versuchen, das zu verhindern und die Bürgerinitiative unterstützen, die bereits vor elf Jahren gegen eine Ausweitung der Startzahlen protestiert hat", sagt Blanck.

Dr. Röckseisen erklärt, dass der LVL mit den derzeitigen Starts und Landungen nicht auskomme. "Der LVL erhält und betreibt den Flugplatz als öffentliche Verkehrseinrichtung vollständig auf eigene Kosten." Die allgemeine Teuerung sei auch beim LVL zu spüren, heißt es in dem Schreiben an die Stadt. Um die erhöhten Lasten auf mehr Schultern zu verteilen, sehe man sich gezwungen, eine Erhöhung der Mitgliederzahl anzustreben. Doch die wollen natürlich auch fliegen dürfen, "und zwar nicht nur in der Woche, sondern auch an den Wochenenden. Das ist jedoch bei den heute gültigen Startbeschränkungen nicht möglich", heißt es.

Die Beschränkung der Startzahlen gehe zudem auf die 90er-Jahre zurück, "als Flugzeuge technisch noch lauter waren als heute", sagt Dr. Röckseisen. "Schon damals gab es ein Lärmgutachten, nachdem 128 Starts pro Tag möglich gewesen wären. Das wurde politisch runtergeschraubt. Doch nun ist es an der Zeit, die Startzahlen an die Realitäten anzupassen", so der LVL-Chef.

Bereits 1997 hatte das Thema die Wellen hochschlagen lassen, als die bis dahin 15 Starts pro Tag angehoben werden sollten. Bürger gingen auf die Barrikaden, aber auch Grüne und einige Christdemokraten sprachen sich dagegen aus. Doch am Ende stimmte eine breite Mehrheit aus SPD und CDU zu, dass werktags 40 Flieger abheben durften, sonnabends 25 und sonntags 20.

Die jetzt gewünschte Anhebung bedeute eine Verdreifachung der Starts, sagt Blanck. "Es kann nicht sein, dass sich einige ihr Hobby zu Lasten der breiten Bevölkerung subventionieren lassen".

Für die Stadt erklärt Sprecher Daniel Steinmeier: "Das Schreiben mit dem Wunsch für mehr Starts ist bei uns angekommen, wir lassen das nun durch einen Lärmgutachter prüfen. Die Ergebnisse werden dem Rat vorgetragen." Entscheidungsbehörde sei aber letztendlich das Land. Steinmeier betont: "Zurzeit steht nur fest, dass die Qualität der Landebahn verbessert werden soll, was zu weniger Lärm und mehr Sicherheit führt." Dann könne auch das Feuerwehrflugzeug bei jedem Wetter starten. "Ein Ausbau ist nicht geplant."

 

Erscheinungsdatum: 20.06.2008

Mit freundlicher Genehmigung der Landeszeitung Lüneburg.